Es wäre möglich: Sorgen und Kritiken wegen eines Asylheimes – ohne Rassismus!

In Berlin-Hellersdorf wird eine Asylunterkunft eingerichtet. Erst 200, dann 400 Flüchtlinge sollen dort untergebracht werden. Viele haben Angst, die Medien haben berichtet, es gab eine konfliktreiche Informationsveranstaltung. Viele Leute werden rassistisch. Sorgen um die eigene Sicherheit schlagen in Ablehnung gegen die Asylsuchenden um. Und Kritik an der Politik in Vorurteile gegen Ausländer insgesamt.

Aber es geht anders. Hier eine Anleitung in drei häufig zu hörenden Beispielen, wie wir Sorgen und Kritik äußern könnten, ohne rassistisch zu werden:

  1. „Die Politik soll erstmal für Kita-Plätze sorgen, bevor wir die hier unterbringen.“Ja, das ist scheiße. Wir tun zu wenig für gute Kinderbetreuung. Wir geben da zu wenig Geld aus. Vollkommene Zustimmung. Aber hat der einzelne Bürgerkriegsflüchtling daran eine Schuld? Nein. Lasst uns in Deutschland doch weniger für die Waffenindustrie ausgeben, dann haben wir genug Geld für Kinderbetreuung, und die paar Tausend Flüchtlinge in Deutschland bekommen wir dann auch noch untergebracht. Und: Wenn wir weniger Waffen exportieren, dann werden die auch nicht in den Ländern dort eingesetzt. Und es gibt weniger Kriegsflüchtlinge, weil Menschen nicht um ihr Leben fürchten müssen. Das ist eine Rechnung, bei der niemand verliert, und alle gewinnen. Ist doch ganz leicht, ohne Rassismus. Also wenn es hier zu wenige Kita-Plätze gibt, dann engagiert euch in der Politik, dass es besser wird. Dass die sehr Vermögenden vielleicht ein bisschen mehr abgeben, damit unsere Kinder gut betreut werden. Und schiebt die Schuld nicht auf Asylsuchende, die damit überhaupt nichts zu tun haben.
  2. „Die wollen sich doch nicht integrieren und wir zahlen denen dann noch Steuergeld, dass sie hier vor dem Heim rumlungern.“Ja, das ist scheiße. Menschen müssen von Steuergeld leben. Und haben nichts zu tun. Finde ich blöd und finden die bestimmt auch blöd. Aber woran liegts denn? Die dürfen ja gar nicht hier arbeiten, können sich keinen Sprachkurs leisten (haben ja kein Einkommen) und müssen das Geld für Kleidung und Nahrung ausgeben. Wer nicht arbeiten kann, wer von uns hier Ablehnung erfährt, was soll der dann tagsüber tun? Natürlich sitzen sie dann rum, den ganzen Tag. Also lasst uns die Flüchtlinge doch einfach in Wohnungen unterbringen, dann sind sie nicht alle eng gedrängt in einer Unterkunft. Und wir erlauben ihnen zu arbeiten. Wo Menschen sind, die einkaufen und leben, da entstehen auch neue Arbeitsplätze. Also für alle gut. Wieder eine Rechnung, die für alle positiv endet: Die Flüchtlinge leben in Würde, und wir alle zusammen profitieren. Setzt euch also für andere Asylgesetze ein, dann leben die hier unter besseren Bedingungen.
  3. „Wir sind nicht mehr sicher. Die vergewaltigen unsere Kinder. Und untereinander sind die sich auch nich grün.”Ja, das ist scheiße. Es gibt Gewalt, auch in den Heimen selbst. Schließlich kommen da traumatisierte Leute aus aller Welt zusammen, die vielleicht eben noch in verfeindeten Lagern um ihr Leben gefürchtet haben. Aber die Polizei selbst, die ja nicht politisch ist, sagt: Um Heime herum gibt es in Berlin keinen Anstieg von Straftaten. Gibt es nicht. Wer das nicht wahrhaben will und immer wieder von Kriminalität spricht, muss dann mit Folgendem leben: Dass seine Aussage als rassistisch bezeichnet wird. Nein, Asylsuchende sind nicht kriminell. Sorgen sind berechtigt, klar, vor Fremden haben wir vielleicht ein bisschen Angst. Wer dann jedoch nicht wagt, seine unberechtigten Vorurteile zu überwinden, ist feige. Redet mit den Asylsuchenden, macht einen gemeinsamen Kaffeeklatsch und redet über die Schicksale. Vielleicht werden ja Freundschaften draus.

Der positive Umgang mit diesen Sorgen ist also möglich. Die Aussagen müssen hingenommen werden, solange es Sorgen sind. Aber dann kann sich jeder entscheiden: Wollen wir die Probleme angehen, wollen wir die Ursachen von Flucht bekämpfen, wollen wir gemeinsam aus der Situation das Beste herausholen und somit für alle ein gutes Leben schaffen? Oder wollen wir rassistische Phrasen dreschen? Sorgen äußern ohne rassistische Folgerungen zu ziehen, es wäre möglich.

Und dann sei noch eines gesagt: Als vor 30 Jahren noch Ostdeutsche in den Westen geflohen sind, kamen da die Westdeutschen zu den Heimen und haben gedroht, sie abzufackeln, wie jetzt in Hellersdorf? Wir Deutschen haben eine wechselreiche Geschichte von Krieg, Unterdrückung und Menschheitsverbrechen. Wenn uns niemand geholfen hätte, trotz unserer Verbrechen, wären wir heute vielleicht höchstens ein Bauernland. Aber eine Errungenschaft der Menschheit ist es, über Grenzen hinweg das Wort „Menschenwürde“ erfunden zu haben. Das Leben des Menschen ist unantastbar, überall. Und wer vor Tod und Folter flieht, der hat verdammt nochmal das Recht am eigenen Leben. Und das haben wir zu schützen. Und das kostet übrigens auch kaum was. Nur ein bisschen Überwindung, Veränderungen zu akzeptieren und aufeinander zuzugehen. Dabei entstehen Probleme. Aber die lassen sich lösen, ganz ohne Rassismus.

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