Wer früher kann, hat länger Spaß – Prävention statt Reaktion

Am 13.3. trafen sich die Jusos Treptow-Köpenick zusammen mit der ASG Treptow-Köpenick in der Mobilen Pflegeeinrichtung am Sterndamm und diskutierten mit Prof. Dr. Raimund Geene über die Grundsätze und die notwendigen Schritte einer modernen Gesundheitspräventionspolitik.

Gesundheitsprävention das heißt: aktiv zu werden bevor das sprichwörtliche und leider allzu häufig auch das echte Kind in den Brunnen fällt. Ziel ist es langfristig gleiche gesundheitliche und soziale Chancen ermöglichen. Gesundheitsprävention bedeutet ein aktives soziales Netz zu spannen, das Menschen in besonderen Lagen möglichst gleich auffängt, den Sturz gleich abfedert oder im Idealfall gar keinen tiefen Fall zulässt. Das bedeutet vor allem, dass sich die bezirklichen Strukturen nicht länger zurückziehen dürfen. Hier liegt aber die Crux; zu lange waren die Bezirke finanzielle Verhandlungsmasse der kurzsichtigen Haushaltssanierung: Mittel – gekürzt, Personal – gekürzt, Angebote – gekürzt.

Besonders absurd ist das, wenn man betrachtet, dass jahrelang von der (sogenannten) betriebswirtschaftlichen Steuerung kommunaler Einrichtung gesprochen wurde, diese wird hier schlicht ad absurdum geführt. Denn, um einmal im Jargon zu bleiben: man muss auch langfristig ins „Humankapital“, die strategische Ressource schlechthin, investieren. Die dauernde Haushaltsnotlage der Bezirke sorgt dafür, dass immer stärker nur noch kurzfristig auf den Jahresabschluss statt langfristig auf den „Return on Investment“ geguckt wird (werden kann).

(Hinzu kommt, dass Präventionsausgaben bezirkliche Ausgabeposten, die späteren Aufräummaßnahmen (Hilfe-Zur-Erziehung, HZE) aus der Landeskasse bezahlt werden, also außerhalb der bezirklichen Haushaltslogik liegen, rechte Tasche, linke Tasche.)

Jetzt nochmal in richtigen Worten: Natürlich sieht es heute erst einmal teuer aus Angebote wie Kinder- und Jugendgesundheitsdienste, Präventionsstellen, Beratungsangebote etc. vorzuhalten und personell gut auszustatten, der Nutzen ist nicht unmittelbar, dagegen aber sehr wohl langfristig erkennbar. Denn wenn Menschen erst einmal durchs Netz in den Brunnen gefallen sind, ist es ungemein schwerer sie wieder nach oben zu holen. Langfristig sind die positiven Effekte jedoch deutlich erkennbar.

Ein dichtes soziales Netz an Präventionsangeboten befähigt die Menschen, bevor sie in eine wirkliche Notlage kommen ihr Leben gesund und eigenständig zu führen und frei zu gestalten. Eine junge alleinerziehende Mutter, die mit ihrem Kind überfordert sein könnte, bekommt gleich nach der Geburt Beratungsangebote an die Hand, Zugang zu Elternnetzwerken oder eine helfende Hand bei der täglichen Erziehungsarbeit. Der Schaden, der durch Überforderung entstehen kann, wird schon vor dem Entstehen abgewendet.

Unsere Ziele als Jusos sind klar: wir wollen einen Staat der dem Menschen dient, in dem jede/r gleiche (reale) Chancen hat und sich möglichst lange und selbstbestimmt  frei entfalten kann, darum ist für uns klar:

  • Prävention geht vor Reaktion
  • Wir brauchen starke und selbstständige Bezirke, die finanziell und personell so ausgestattet sind, dass sie überhaupt präventiv tätig werden können
  • Der Zugang zu gesundheitlicher Prävention muss in allen Bereichen leicht zugänglich sein
  • Prävention darf nicht am Bildungs- und / oder Einkommensniveau der Menschen scheitern
  • Prävention muss als ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden. Es darf keine Insellösungen geben und Ressortegoismen müssen bekämpft werden!

 

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